Segesta: das schönste griechische Theater der Welt

Segesta bietet Sizilien-Urlaubern

Und dabei lag Segesta gar nicht auf dem Gebiet des antiken Griechenlands. Tatsächlich war Segesta eine der wenigen Ortschaften, in denen die "Ureinwohner" Siziliens nicht von den griechischen Siedler "überrollt" worden waren.

Die hier lebenden Elymer hatten vermutlich das Glück im Einflussbereich der Karthager zu leben. Wie wir auf der Übersichtsseite gesehen haben, waren die Karthager (auch genannt "Phönizier" oder "Punier") der große Konkurrent der alten Griechen.

Warum also treffen Sizilien-Urlauber gerade in Segesta auf derart beeindruckendes altgriechisches Gemäuer? Wirklich genau weiss das natürlich niemand. Bekannt ist aber, daß der kulturelle Einfluss des antiken Griechenland weit über die eigenen Grenzen hinausging. Die antike griechische Kultur war damals einfach "in".

Im speziellen Fall von Segesta gibt es aber sogar Hinweise darauf, daß hier Griechen und Elymer friedlich zusammengelebt haben. Man weiss auch, daß die Einwohner von Segesta taktisch kluge Allianzen mit allen drei antiken Großmächten eingingen und sogar griechische Städte gegeneinander ausspielten.

Inhalt

Karte für einen Ausflug nach Segesta

Karte für einen Ausflug nach Segesta
  • Fußweg vom Bahnhof aus
  • Weg hinauf zum Theater
  1. Bahnhof 'Segesta Tempio'
  2. Parkplatz und Bar
  3. Baglio Case Barbaro
  4. Ehemaliger Parkplatz
  5. Eintrittskarten und Bar
  6. Tempel
  1. Porta di Valle
  2. Cinta Muraria Superiore
  3. Agorà
  4. Moschee
  5. Mittelalterliche Burg
  6. Kirche
  7. Theater

Mit dem Mietwagen nach Segesta

Mietwagen für einen Sizilien-Urlaub

Segesta ist eines der wichtigsten Monumente des antiken Siziliens. Das heutige Sizilien hat ihm sogar einen eigenen Autobahnanschluss gewidmet. Er liegt an der Autobahn A29Dir vor den Toren Trapanis.

Von diesem Autobahnanschluss sind es nur ein paar 100m bis zum Parkplatz von Segesta (Marker 2 in der Karte oben).

Von Palermo aus fahren Sie gut 70 km nach Segesta, von Trapani aus sind es nur 30 km. Sizilien-Urlauber, die im Osten ihr Basislager haben sind leider ein wenig benachteiligt. Der Weg von dort aus nach Segesta führt Sie quer über die ganze Insel.

Praktische Tipps

Solunto - Essen und Trinken

Früher gab es nahe des Eingangs von Segesta einen grossen Parkplatz (Marker 4 in der Karte oben). Unter ihm vermuten Archäologen allerdings noch ein paar Schätzchen. Der Parkplatz wurde daher in die Nähe des Autobahnanschlusses verlegt (Marker 2).

Von hier aus bringt Sie ein Shuttlebus zum alten Parkplatz von Segesta. Ausserdem gibt es eine geräumige Bar. Sie haben noch keinen Hunger? Kein Problem - am Eingang der Ausgrabungsstätte wartet eine weitere Bar auf Sie.

Wichtig: Das Ticket für den Shuttlebus gilt nicht gleichzeitig als Eintrittskarte. Diese kaufen Sie nach der Busfahrt am Eingang von Segesta. In der Hochsaison stehen Sie also zweimal Schlange. Ein Grund mehr, Segesta im Winter zu besuchen. So vermeiden Sie nicht nur Schlangen, sondern haben Tempel und Theater fast für sich alleine.

Nachtrag: Die Reaktionen auf den neuen Parkplatz sind nicht immer positiv. Dass man zahlende Kunden nicht zweimal Schlange stehen lassen sollte, scheint selbst den Verantwortlichen mittlerweile zu dämmern. Es wurde Besserung versprochen.

Segesta auf Pinterest

Sizilien ☀ Der Tempel von Segesta
Der Tempel von Segesta
Sizilien ☀ Das Theater von Segesta
Das Theater von Segesta

Segesta von oben

Segsta aufgenommen von einer Foto-Drone

Überblick - Die 2000 Jahre von Segesta

Die Stadt Segesta wurde im 7. Jhd v. Chr. von sizilianischen "Ureinwohnern" (den Elymern) gegründet - in einer "heissen" Gegend des antiken Siziliens. Hier stiessen nämlich die Einflusssphären von Griechen und Karthagern wie Kontinentalplatten aneinander. Und das führte schon mal zu politischen Erdbeben. Die Elymer wussten sich aber zu schützen: Sie gründeten Ihre Stadt auf einem Berg namens Monte Barbaro.

Hier mussten sie nur an einigen Stellen Stadtmauern bauen. Den Rest schützen steile Hänge. Gleichzeitig ist der Monte Barbaro nur ca. 400 m hoch. Die Einwohner Segestas kamen also ohne viel Kraxelei auf ihre im Umland liegenden Felder. Eine Stadt mit vielen tausend Einwohnern will schliesslich ernährt werden.

Der französische Architekt, Archäologe und Künstler Jean-Claude Golvin stellt sich Segesta und die umliegenden Felder so vor (das Original des Bildes finden Sie auf seiner Webseite):

Aus heutiger Sicht wäre das gerade mal eine Kleinstadt. Damals aber hatte eine solche Stadt eine eigene Währung und Armee. Über das nahe Mittelmeer betrieb man einen regen Handel - vor allen Dingen mit landwirtschaftlichen Gütern wie Wein, Getreide und Oliven.

Mit dem Beginn der punischen Kriege bekamen Griechen und Karthagern einen weiteren Konkurrenten: Rom. Am Ende stand der gesamte Mittelmeerraum unter römischer Kontrolle. Segesta wurde etwa um 200 v.Chr. römisch.

Ca. 300 Jahre später kam dann langsam aber sicher das Ende Segestas. Aber nicht etwa - wie üblich - durch Kriege, sondern im Gegenteil wegen einer langen Friedensphase - der Pax Romana. Täglich den Berg hoch und runter ist auf die Dauer doch etwas mühsam - und wenig sinnvoll wenn es gar keine Feinde mehr gibt. So zogen also immer mehr Bewohner Segestas Richtung Küste um.

Aber leider tuen wir Menschen uns bekanntermassen schwer damit, den Frieden zu bewahren. Mit dem Zerfall des römischen Reiches kamen die Kriege zurück. Es ging also wieder rauf auf den Monte Barbaro. Für mehrer Jahrhunderte blieben die Zeiten recht ungemütlich. Archäologen fanden in Segesta Spuren vieler Eroberer. Sizilien-Urlauber können heute neben den antiken Gebäuden die Reste einer Moschee, einer Kirche und einer normannischen Befestigung bewundern. Ab dem 13 Jhd. verlieren sich dann die Spuren Segestas.

Segestas Tempel - Der Unvollendete

Segesta - Tempel

Der Tempel von Segesta (Marker 6 in der obigen Karte) ist einmalig. Nicht nur wegen seines hervorragenden Erhaltungszustands, sondern auch weil er unvollendet ist - ein besonderer Leckerbissen für Sizilien-Urlauber mit einem Faible für antike Architektur.

Der Zustand des Tempels ist vermutlich auf die ewige Konkurrenz zwischen Griechen und Karthagern zurückzuführen: Die Architektur unseres Tempels ist typisch für die griechische Phase Siziliens und der Baustopp fällt mit der Eroberung Segestas durch die Karthager zusammen.

Die griechische Architektur muss keineswegs bedeuten, dass die Einwohner Segestas auch griechische Götter anbeten wollten. Man war in der Antike in dieser Hinsicht wesentlich toleranter und aufgeklärter als in späteren Jahrhunderten.

Und tatsächlich fanden die Archäologen während der Ausgrabungen des Tempels Reste einer älteren Kultstätte. Sie geht vermutlich auf die "Ureinwohnern" (also die Elymer) zurück. Vielleicht wollten Sie ihre alte Kultstätte einfach mit "griechischem Chic" aufwerten. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Segestas Theater mit Panorama

Segesta - Theater

Das Theater Segestas (Marker 13 in der obigen Karte) steht dem Tempel in nichts nach. Seine Lage und der Erhaltungszustands sind einmalig auf der Welt. Obwohl das es erst "unter den Römern" gebaut wurde, basiert auch das Theater auf griechischer Architektur.

Typisch dafür ist die Einbettung in die Landschaft: Die Stufen griechischer Theater schmiegen sich an einen Berg. Das erspart eine komplizierte Statik und sehr viel Arbeit. Gleichzeitig war den alten Griechen ein weiter Blick in die Landschaft wichtig.

Ein Gang in das Theater lohnte sich daher immer - auch ohne Theater. Die Lage des Theaters von Segesta ist also alles andere als Zufall. Der Monte Barbaro bietet hier ein fantastisches Panorama mit Meerblick.

Er hat allerdings nicht ganz die Form, die für ein griechisches Theater nötig wäre. Die Baumeister mussten das Halbrund mit der ein oder anderen Mauer unterstützen. Man kann eben nicht alles haben.

Porta a Valle - Das Stadttor

Segesta - Stadttor

In Richtung des Landesinneren fällt der Monte Barbaro steil ab. In einem Zeitalter, in dem man sich noch nicht gegenseitig mit Fluggeräten umbrachte, war Segesta von dieser Seite her gegen Angriffe geschützt.

Zum Meer hin allerdings, verläuft der Monte Barbaro flach. Man sieht dieses sehr schön im obigen Aquarell. Auf dieser Seite gelangten die Bürger Segestas also zu ihren Feldern.

Genauso einfach hätten aber auch Angreifer in die Stadt eindringen können. Da hilft natürlich nur eine dicke Stadtmauer. Auch sie zeigt das Aquarell sehr schön. Die Reste des grossen Stadttores ("Porta a Valle") sind gut erhalten (Marker 7 in der obigen Karte).

Wer auf den Monte Barbaro möchte, kann statt der geteerten Strasse den an der Porta a Valle vorbeiführenden Trampelpfad bis zur oberen Stadtmauer (Cinta Muraria Superiore - Marker 8) nutzen. Gutes Schuhwerk und ein wenig Fitness sind dafür allerdings empfehlenswert.

Agorà - Die Piazza der Antike

Segesta - Agorà

Auch die Agorà von Segesta (Marker 9 in der obigen Karte) entstand unter den alten Römern - obwohl sie eigentlich typisch für antike griechische Städte ist. Sie ist sogar eines der Symbole für die ersten Schritte Richtung Demokratie.

Agorà bedeutet nämlich nichts anderes als "sammeln". Man versammelte sich hier, um über die Angelegenheiten der Stadt zu sprechen, Gericht zu halten, Geschäfte zu machen und natürlich auch zu feiern.

Die Agorà von Segesta ist auf den ersten Blick wenig spektakulär. Schuld daran sind die mittelalterlichen Bewohner Segestas. Sie haben die Gebäude rund um die Agorà schlicht als Steinbruch genutzt.

Denkmalschutz stand damals einfach noch nicht so hoch im Kurs. Glücklicherweise gibt es Infotafeln, die heutigen Sizilien-Urlaubern einen "antiken Eindruck" vermitteln. Hier ist also ein wenig Fantasie gefragt.

Moschee - Der Islam auf Sizilien

Segesta - Moschee

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches litt Sizilien nicht nur unter den direkten Folgen der Völkerwanderung. Zusätzlich brachte der Wechsel verschiedener Kulturen und Religionen Unruhe auf unsere Sonneninsel.

Während der römischen Herrschaft war Sizilien soetwas wie der Nabel der Welt des Mittelmeers. Danach wurde Sizilien zum Frontstaat: Von Norden kamen die katholischen und von Osten die orthodoxen Christen.

Aus dem Süden zog es den noch jungen aber schnell erfolgreich gewordenen Islam Richtung Sizilien. Sie setzten sich am Ende durch und beherrschten Sizilien vom 9. bis zum 11. Jahrhundert.

Etwa zwei Drittel der Bevölkerung waren damals Muslime. Die Archäologen wunderten sich also nicht, als sie in Segesta die Reste einer Moschee ausgruben (Marker 10 in der obigen Karte). Dass es sich bei diesen Resten um eine Moschee handelt erkennen allerdings nur Experten. Auch hier ist also ein wenig Fantasie gefragt.

Mittelalterliche Burganlage

Segesta - Burganlage

Mit dem Ende des Römischen Reiches wurde es auf Sizilien ungemütlich. So gab es hier im wahrsten Sinn des Wortes Vandalismus: Richtung Afrika ziehende Vandalen fielen im 5. Jahrhundert auch über Segesta her.

Das von Jean Claude Golvin in seinem wunderbaren Aquarell dargestellte antike Segesta war nur noch ein Schatten seiner selbst.

Zuletzt - im Mittelalter - war Segesta auf eine Wehrburg (Area Fortificata Medievale e Castello; Marker 11 in der obigen Karte) reduziert. Ein christlicher Feudalherr hatte sie auf den Resten einer muslimischen Ansiedlung errichten lassen.

Nun stand also auf dem schützenden Monte Barbaro eine schützende Burg. Genützt hat die doppelte Absicherung aber nur kurzfristig. Nicht lange nach ihrem Bau wurde die Burg wieder aufgegeben und Segesta verschwand im Dunkel der Geschichte. Den Grund brachten Ausgrabungen ans Tageslicht - die Archäologen fanden säckeweise Pfeilspitzen aus der Zeit.

Kirche - Das christliche Sizilien

Segesta - Kirche

Neben dem Theater befinden sich die Reste einer kleinen Kirche (Marker 12 in der obigen Karte). Einige Quellen sprechen eher von einer Kapelle für Schäfer oder einer Einsiedelei für Mönche.

Sie wurde 1442 von Bürgern der nahen Stadt Calatafimi gebaut und dem Heiligen Leo gewidment. Leo war im 5. Jahrhundert Papst und hat den Vandalen-König Geiserich überredet, während der Plünderung Roms die Bevölkerung zu verschonen.

Segesta blieb dieses Schicksal bekanntlich aber nicht erspart. Ob die Bürger von Calatafimi sich 1000 Jahre später daran erinnert und bewusst einen Bezug zu Papst Leo gezogen haben ist schwer zu glauben.

Andererseits stammt der Begriff "Vandalismus" (ital.: vandalismo) erst aus dem 18. Jahrhundert. Die Erinnerung an die Vandalen sitzt offensichtlich tief - auch auf Sizilien.

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Literatur

Heutzutage können sich glücklicherweise nicht nur privilegiert Nordeuropäer wie einst Goethe eine Reise nach Sizilien erlauben. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Literatur: Reiseführern aber auch einige Reiseberichte, Romane und natürlich Sachbücher - vor allen Dingen zum Thema "Mafia". Wir stellen hier einige besonders interessante Titel vor.

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