Die Mafia - Aufstieg, Macht und Niedergang

Video "Der Pate - Don Corleone wird erschossen" starten

"Sachen gibt's: da wäre ich doch gleich bei meinem ersten Sizilien-Urlaub fast mit der Mafia zusammengestoßen: Vier kräftige junge Männer sprangen um einen großen Alfa herum - und drin saß ein Mafiaboss!"

Auf die Frage woher unser Sizilien-Urlauber denn wisse, daß es sich um Mafiosi gehandelt habe, kam die Antwort: "Na, weil's wie im Film war!"

Aha - "Der Pate" läßt also wieder einmal grüßen.

Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Wahrscheinlichkeit, in Sizilien die Mafia in Aktion, geschweige denn einen leibhaftigen Mafiaboss zu sehen, ist schlicht Null.

Zum einen gibt es nur noch einen Mafiaboss alter Schule und der muss sich wegen des enormen Fahndungsdrucks seit Jahren verstecken. Zum anderen hat eine neue Mafia gelernt, ruhig und unauffällig im Hintergrund zu arbeiten. Und zu guter Letzt gibt es für diese neue Mafia in Sizilien gar nicht mehr viel zu holen.

Der wirtschaftlich viel stärkere Norden Italiens aber auch Europas sind als Operationssgebiet deutlich interessanter. Die Mafiamorde von Duisburg 2007 sprechen für sich - auch wenn Opfer und Täter nicht aus Sizilien, sondern Kalabrien kamen. Solche Familienfehden à la "Der Pate" hat es in Sizilien zuletzt in den 80er Jahren gegeben.

Es wundert also nicht, daß gerade Sizilien heute als eines der sichersten Urlaubsgebiete der Welt gilt.

Wenn es also nicht die Mafia war, der unser Sizlien-Urlauber begegnet ist, wer war es dann? Es waren die Personenschützer eines Politikers oder gar eines Antimafia-Richters. Besonders in der Umgebung des Rathauses und Justizpalastes von Palermo aber auch des Sitzes der Region Sizilien können Sie ähnliche Szenen hin und wieder beobachten. Denn überall hier sitzen mittlerweile ausgewiesene Mafia-Gegner in den entscheidenden Positionen.

Im Folgenden beantworten wir einige typische Fragen, die Sizilien-Urlauber immer wieder zur Mafia stellen. Wir beginnen dabei mit dem Wichtigsten, dem Anfang vom Ende der Mafia.

Inhalt

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Literaturtipps

Literatur

Heutzutage können sich glücklicherweise nicht nur privilegiert Nordeuropäer wie einst Goethe eine Reise nach Sizilien erlauben. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Literatur: Reiseführern aber auch einige Reiseberichte, Romane und natürlich Sachbücher - vor allen Dingen zum Thema "Mafia". Wir stellen hier einige besonders interessante Titel vor.

Der Anfang vom Ende der Mafia

Mahnmal des Attentats auf den Mafia-Jäger Giovanni Falcone

Palermo - 23. Mai 1992.
Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.
Und Wochenende.
Auch für den Richter Giovanni Falcone.
Jedenfalls erschien es so.

Giovanni Falcone und seinen Mitstreitern war es in den 80er Jahren gelungen, die inneren Strukturen der sizilianischen Mafia aufzudecken. Damit brachte er die Mafia in arge Bedrängnis.

Zuerst einmal konnte niemand mehr behaupten, es gäbe die Mafia gar nicht. Oder sie wäre "Folklore", jedenfalls irgendetwas aus uralten Zeiten. Oder die Hirngespinste von Filmemachern, die Sizilien mit Machwerken wie "Der Pate" in Verruf bringen wollten. Oder, oder, oder...

Tatsächlich waren diese "Ausreden" unter Sizilianern weit verbreitet. Damit war es jetzt also endgültig vorbei. Vorbei war es für viele Mafiosi auch mit der schönen Freiheit. Der Gruppe um Giovanni Falcone war es schon 1986 gelungen über 400 von ihnen gleichzeitig (!) vor Gericht zu stellen. Sie wurden fast alle zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Aber das war nur der Anfang. Danach ging es Schlag auf Schlag. Immer mehr Mafiosi liefen zu Giovanni Falcone über und machten von einer großzügigen Kronzeugenregelung Gebrauch. Das wiederum brachte viele andere Mafiosi hinter Gitter.

Und für all dieses will sich die Mafia an diesem 23.5.1992 rächen. Sie hat nahe Palermo unter der Autobahn eine monströse Bombe deponiert. Trotz gepanzerter Wagen tötet sie Giovanni Falcone, seine Frau und seine Eskorte. Das Bild oben zeigt das Mahnmal an dieser Stelle der Autobahn. Sizilien-Urlaubern begegnet es zumeist auf ihrem Weg vom Flughafen Palermo Richtung Stadt.

Aufstand gegen die Mafia

Video "Die Paten in der Klemme" starten

Palermo - 19. Juli 1992
Wie jeden Sonntag besucht der Richter Paolo Borsellino seine Mutter in der Via d'Amelio in Palermo. Eine kleine Pause von seiner extrem aufreibenden Arbeit.

Paolo Borsellino ist Jugendfreund und Kollege von Giovanni Falcone. Beide ergänzen sich kongenial. Es wundert daher nicht, daß die Mafia Paolo Borsellino schon lange im Visier hat.

An diesem Sonntag nutzen sie die Gewohnheit des Richters und töten ihn und seine Eskorte mit einer verheerenden Autobombe.

Der Filmausschnitt zeigt Bilder, wie wir sie heute aus dem Nahen Osten gewohnt sind. Der gebrochene Chef der beiden Antimafia-Richter meinte noch am Ort des Attentats, daß die Mafia nun endgültig gesiegt habe.

Tatsächlich stellte sich sehr schnell das Gegenteil heraus. Der Sprecher im Film bringt es auf den Punkt: "Es ist der Tropfen, der in Italien das Fass zum Überlaufen bringt". Aber sehen Sie selbst.

Der Film ist 2006 erschienen und zeigt die Situation bis etwa zum Ende der 90er Jahre. Die am Schluss des Films erwähnten neuen Bosse sitzen mittlerweile auch hinter Gittern. Und das Wichtigste: der Aufstand der Zivilgesellschaft hat enorm an Fahrt gewonnen. Davon handelt der nächste Abschnitt.

Junge Leute gegen die Mafia

Logo der Antischutzgeld-Initiative Addiopizzo an einem Schaufenster

Palermo - 29. Juni 2004
Ein paar junge engagierte Leute brüten eine Idee aus:
"Was haltet ihr davon, eine Kneipe aufzumachen?
Was wollen wir anbieten?
Wo finden wir Räume?
Aber halt!
Was machen wir, wenn SIE kommen?"

Mit SIE meinten die jungen Leute die Mafia. Die tauchte in Sizilien nämlich immer dann auf, wenn ein Laden gut lief: Es könne ja eine Menge passieren - so ganz ohne Schutz. Aber keine Angst, für einen kleinen Beitrag - in Sizilien nennt man ihn "pizzo" - werde man schon für selbigen sorgen. Schutzgelderpressung war (und ist zum Teil auch noch) eine der wichtigsten Einnahmequellen lokaler Mafia-Familien.

Frust breitete sich unter unseren jungen Leuten aus. Und Wut! Aber anstatt aufzugeben klebten sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Innenstadt von Palermo mit Zetteln zu. Am Morgen des 29. Juni 2004 sprang den Palermitanern der Wutausbruch der jungen Leute in die Augen:

"Ein ganzes Volk das Schutzgeld zahlt ist ein Volk ohne Würde"

Das Medienecho war enorm und der zivile Widerstand gegen die Mafia nahm Fahrt auf. Unsere jungen Leute fassten wieder Mut und brüteten etwas Neues aus: Sie gründeten die Antischutzgeld-Initiative "Addiopizzo". Im Bild oben klebt es auf dem Schaufenster eines Ladens. Wenn Sie hier einkaufen können Sie sicher sein, daß aus Ihrer Urlaubskasse kein Cent in die Taschen der Mafia fließt. Eine Liste sämtlicher Addiopizzo-Geschäfte können Sie hier herunterladen:

Mafia-freie Lieferketten

Der Laden 'Emporio Pizzo Free' bietet eine mafia-freie Lieferkette

Palermo - 8. März 2008
Fabio Messina eröffnet seinen Laden "Emporio Pizzo Free". Er ist ein alter Aktivist der Addiopizzo-Bewegung. Es wundert also nicht, daß sein Geschäft einer von mittlerweile 800 weiteren ist, die Addiopizzo angehören. Sie alle zahlen schlicht kein Schutzgeld.

Der Emporio Pizzo Free geht aber noch einen Schritt weiter: Er kauft seine Waren nur bei Erzeugern ein, die ihrerseits Mitglied von Addiopizzo sind.

Ein gutes Beispiel hierfür sind Weine von "Libera Terra", einer Organisation, die Wein und andere landwirtschaftliche Produkte auf von der Mafia konfisziertem Land anbaut. Auf diese Weise ist also sichergestellt, daß die gesamte Lieferkette vom Erzeuger zum Konsumenten mafia-frei ist.

Schlag gegen Mafia-Eigentum

Die Initiative 'Libera Terra' nutzt enteignetes Mafia-Land

Trapani - 3. April 2013
"1,3 Milliarden Euro:
Italienische Ermittler beschlagnahmen Mafia-Besitz"
So betitelte der Spiegel einen Schlag gegen die Mafia, der selbst für die erfolgsverwöhnten sizilianischen Mafia-Jäger ein "großes Ding" war.

Er richtete sich gegen Don Vito. Nein, nicht Don Vito Corleone aus "Der Pate", sondern Vito Nicastri. Dieser Pate aus Trapani wurde "König der Windenergie" genannt. Er war ein moderner Mafioso.

Heute macht man seine Geschäfte nämlich nicht mit Drogen und der abgesägten Schrotflinte, sondern mit Subventionsbetrug im Bereich der "grünen Zukunft". So stellte sich vor wenigen Jahren heraus, daß auch Siziliens bekanntester Biowein-Bauer ein Mafioso war. Die Könige des Weins und des Windes sitzten mittlerweile hinter ziemlich dicken Gittern.

Sie traf zusätzlich die schärfste Waffe des Rechtsstaates - die Konfiszierung ihres Eigentums. Handelt es sich dabei um Ländereien, gehen sie an die oben schon erwähnte Initiative Libera Terra. Mit ihr ist am Ende der Biowein nicht nur von der Chemie, sondern auch von der Mafia befreit.

Woher die Mafia kommt

Video "Corleone Italia, 1978 di Pasquale Squitieri con Giuliano Gemma, Michele Placido" starten

Das Video rechts zeigt einen Ausschnitt aus dem Film Corleone. Er erzählt von zwei Jugendfreunden. Einer wurde Bauernführer, der andere Mafiaboss von Corleone - nachdem er seinen ehemaligen Jugendfreund umgebracht hatte. Daher rührt der deutsche Titel des Films - "Der Aufstieg des Paten".

Der kurze Ausschnitt allerdings führt uns über den eigentlichen Plot des Films hinaus zu den Wurzeln der Mafia. Sie werden verkörpert durch drei Protagonisten:

Dem Bauernführer (er führt im Filmausschnitt die Demonstration an), den Herrschaften mit Schrotflinten und Schiebermützen und dem "Ehrenmann" (er kommt in seiner Kutsche auf die Szene zu).

Der Kampf um Land

Der Streit dreht sich um ein uraltes sizilianisches Thema: Land. Das nämlich war immer schon Eigentum nur weniger Aristokraten. Die das Land bewirtschaftenden Bauern waren landlose Tagelöhner. Sie fanden sich jeden Tag in einer zentralen Piazza von Corleone ein und hofften für diesen Tag Arbeit zu bekommen.

Aber natürlich kam nicht der Herr Baron persönlich vorbei um die Arbeiter auszusuchen. Dafür hatte er seine Verwalter. Man nannte sie "Gabellotti" ("gabella" ist der Zoll oder die Pacht). Die wiederum hatten ihre bewaffneten Helfer - genannt "Campieri" (Feldhüter).

Norditalienische Verwaltungsspezialisten, die in den 1860er Jahren nach Sizilien geschickt worden waren, berichteten von seltsamen Organisationen. Sie waren die heimlichen Herrscher ganzer Ortschaften und nannten sich "Mafia". Ihre Bosse waren die Gabellotti (der Herr in der Kutsche) und ihr Fußvolk die Campieri (die Herren mit den Schrotflinten und Schiebermützen).

Der geschichtlich interessierte Leser fragt sich jetzt zurecht, warum diese agrarische Mafia nur in Sizilien entstanden ist. Schließlich dominierte der Feudalismus ganz Europa nahezu 1000 Jahre lang. Warum also wurden aus Gutsverwaltern Mafiabosse?

Das Versagen der Aristokratie

Video "Geschichte der Mafia Süditaliens" starten

Die Frage werden Historiker wohl nie mit Gewissheit klären können. Schließlich handelt es sich bei der Mafia ja um eine Geheimorganisation. Der Nährboden der Mafia ist aber bekannt:

  • Eine dekadent gewordene Aristokratie interessierte sich immer weniger für ihr eigenes Land. Sie feierten lieber rauschende Feste in ihren Palästen in Palermo.
  • Derweil kümmerten sich die Gabellotti um die Güter, allerdings unter ungünstigen Bedingungen: Ihre Pachtverträge galten nur wenige Jahre, waren also viel zu kurz um eine nachhaltige Landwirtschaft betreiben zu können. So waren die Gabellotti schlicht zur kurzfristigen Profitmaximierung gezwungen.
  • Die Frustration der landlosen Bauern machte sich immer wieder durch gewalttätige Aufstände Luft. Die Niederschlagung dieser Aufstände war eine der Aufgaben der Gabellotti. Aus Gutsverwaltern wurden so Milizführer.

Der Film beschreibt hervorragend, wie die Aristokratie an ihrer Dekadenz zugrunde ging. Er beschreibt auch deutlich die Grundlage der Mafiaherrschaft: Gewalt. Daß aber genau daran auch die Mafia zugrunde geht, beschreibt der Film leider nicht.

Die Kriminalitätsstatistik der EU tut das hingegen ganz nüchtern: Die Wahrscheinlichkeit einem Mord zum Opfer zu fallen ist heutzutage in Finnland doppelt so hoch wie in Sizilien. Wer hätte das noch vor 30 Jahren gedacht?

Warum ist die Mafia schlecht?

Video "Die Mafia" starten

Blöde Frage!
Wer will schon Mord und Totschlag?
Stimmt! Aber leider richtet die Mafia weitaus mehr an - und zwar täglich.

Filme wie "Der Pate" oder "Der Aufstieg des Paten" gehen sogar recht ausführlich darauf ein. Aber wer kann sich das alles merken? Und wer hat schon das Hintergrundwissen, diese Feinheiten überhaupt zu erkennen?

Was aber ist leicht erkennbar und bleibt mit Sicherheit hängen? Genau - Mord und Totschlag! Was auch noch recht offensichtlich ist - also z.B. der Handel mit Menschen, Waffen und Drogen - beschreibt der Film sehr ausführlich. Besonders interessant sind die Interviews mit ehemaligen, jetzt geläuterten Mafiabossen.

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit drei scheinbar weniger dramatischen Beispielen. Tatsächlich aber richten sie viel mehr Schaden an, als Kriminelle, die sich gegenseitig umbringen. Denn die Mafia ist auch ein...

... Monopol-Bilder

Für eine gute Pizza braucht man einen Hefeteig, Tomatensauce, Käse und, je nach Geschmack, einen Belag.
Stellen Sie sich nun einmal vor, Sie wären Eigentümer einer Pizzeria.

Dann wäre natürlich Ihr ureigenstes Bestreben, die Zutaten mit der besten Qualität zum geringsten Preis zu bekommen. Denn wie jeder gute Kaufmann weiß - der Gewinn steckt im Einkauf.

Das aber setzt etwas ganz Banales voraus: konkurrierende Zulieferer. Gibt es nur einen, zahlen Sie hohe Preise für niedrige Qualität. Sie sind dann einem Monopol ausgeliefert. Monopole sind der natürliche Feind jeder Marktwirtschaft. Ihn bekämpft u.a. der EU Kommissar für Wettbewerb und die US Federal Trade Comission.

Und gerade in den USA deckte man in den 70er Jahren ein Monopol für Pizza-Zutaten auf. Wer dahinter steckte? Natürlich der US-Ableger der sizilianischen Mafia! Es klingt zuerst einmal lächerlich klischeehaft, war aber ein Riesengeschäft mit drastischen Folgen für ehrliche Zulieferer und Konsumenten. Letztere hatten nicht selten Gammelfleisch auf ihrer Pizza.

... Motivations-Killer

Erinnern Sie sich noch an unsere jungen Leute von Addiopizzo?
Sie wollten eine Kneipe aufmachen, hatten aber berechtigte Angst vor Schutzgelderpressung.

Stellen wir uns einmal vor, sie hätten tatsächlich eine Kneipe aufgemacht, großen Erfolg und würden auch Schutzgeld zahlen. Vielleicht sagen Sie jetzt "Ist zwar nicht ok aber verschmerzbar - bei dem Erfolg." Und tatsächlich verharmlost man in Sizilien das Schutzgeld als "pizzo", also "Spitze". Man bringt ja schließlich die Kuh, die man melken will nicht um. Tatsächlich ist der "pizzo" aber viel mehr.

Ein Lied davon können die Eigentümer des in Palermo alteingessenen Restaurants "Antica Focacceria San Francesco" singen. Es begann mit harmlos erscheinenden Fragen nach einer Gratis-Torte und endete mit der totalen Infiltration des Geschäfts. Die Eigentümer konnten zuletzt nicht einmal mehr selber bestimmen, wen sie einstellten, bei wem sie ihre Ware bezogen und welche Handwerker sie engagierten.

Hätten Sie unter diesen Umständen noch Lust neue Ideen zu entwickeln, geschweige denn sie umzusetzen? Um z.B. ihren Laden zu renovieren? Oder Ihr Angebot zu erweitern? Oder eine Zweigstelle aufzumachen? Wohl kaum.

Für die Eigentümer der Antica Focacceria San Francesco stellte sich irgendwann die Frage, ihr Restautrant ganz aufzugeben oder die Mafia abzuschütteln. Sie entschieden sich 2007 als erstes Geschäft Palermos für den zweiten Weg. Das brachte die Mafiosi hinter Gitter und die Eigentümer - im übertragenen Sinne - auch: sie teilen ihren Alltag seitdem mit Personenschützern.

Trotzdem machte ihr Beispiel schnell Schule. Mittlerweile sind ihnen über 100 weitere Unternehmer aus Palermo und Umgebung gefolgt. Sie haben ausserdem zur gegenseitigen Unterstützung die Initiative "Libero Futuro" gegründet. Das Hauptziel dieser Vereinigung: weiteren Unternehmern durch spezielle "Aussteiger-Pakete" aus dem Mafia-Sumpf heraushelfen.

... Entwicklungs-Blockierer

Was denken Sie?
Wie lange dauert die Zugfahrt von Catania nach Palermo - eine Bahnstrecke von 300 km?
Na das sollte man doch wohl in 3 Stunden locker schaffen, oder?
Weit gefehlt - tatsächlich sind es mehr als 5 Stunden (!). Kein Wunder also, daß die Menschen Fernbusse bevorzugen.

Vom Hauptbahnhof Catania ausgehend schaffen Fernbusse nämlich die nur 200 km lange Strecke bis zum Hauptbahnhof Palermo in ca. 2,5 Stunden.

Der Grund für das Schneckentempo der Trenitalia: Es gibt kaum zweigleisig ausgebaute Bahnstrecken. Daran ist die Mafia natürlich nicht direkt Schuld. Ausnahmsweise. Es ist nur eines von vielen Beispielen für die Unterentwicklung Siziliens.

Dazu zählt auch die erstaunliche Tatsache, daß im 19. Jahrhundert 70% des weltweiten Schwefelbedarfs durch Sizilien gedeckt wurde. Reiseberichte aus der Zeit berichten von erschütternden Arbeitsbedingungen. Aber dann begann man in den USA Methoden zu entwickeln, die den Schwefel aus dem Erdreich herausspülten.

Dadurch gingen in den USA viele und in Sizilien alle Arbeitsplätze verloren. Sie waren nämlich zu teuer: Die Arbeiter zahlten der Mafia eine "Jobvermittlung", die Grubenbesitzer den "pizzo". Kosten, die in den USA nicht anfielen.

Zum Weiterlesen

Herder Verlag - Leoluca Orlando

An Büchern über die sizilianische Mafia gibt es keinen Mangel. Sie beschreiben die Mafiosi und ihre Verbrechen in "voller Hässlichkeit".

Das bleibt dem Leser auch im Buch von Leoluca Orlando nicht erspart. Wie sollte es auch. Sein Hauptaugenmerk liegt allerdings auf dem Antimafia-Kampf der Zivilgesellschaft.

Diesen hat Leoluca Orlando als Bürgermeister von Palermo in den 80er und 90er Jahren angeführt. In seinem Buch "Ich sollte der nächste sein" beschreibt er die Rückeroberung Palermos von der Mafia.

Dieser kurze Textausschnitt aus dem Vorwort verdeutlicht, worauf es Leoluca Orlando dabei ankommt:

"Also versuchten wir zu gleichen Zeit, da mutige Juristen und Staatsanwälte im Kampf für die Herrschaft des Gesetzes starben, wieder ein Leben als Bürger zu führen; uns solche Symbole wie das Teatro Massimo neu anzueignen; unsere Politik wieder in die Hand zu bekommen, nachdem dort generationenlang geheime Absprachen regiert hatten; und, was vielleicht am wichtigsten war: Wir forderten unsere Kinder und deren Zukunft wieder ein. Zusammen mit unserem öffentlichen Raum hatte die Mafia nämlich unser Erziehungssystem übernommen - nicht nur, weil sie wusste, dass der Schlüssel zur ihrer Macht darin bestand, die Menschen unwissend zu halten, sondern auch, weil damit Geld gemacht werden konnte. Wir beendeten die übliche Praxis, Schulräume von Strohmännern der Mafia zu mieten. Wir machten den Kampf gegen die Mafia zu einem Teil des Lehrplans. Wir zogen die Kinder in unsere Arbeit ein, und zwar in Gestalt unseres Programms 'Adoptiert ein Denkmal'... Den Schmutz von diesen Baudenkmälern zu entfernen bedeutete für die Kinder auch, dass sie die Stadt von dem geistigen Schmutz reinigten, der sich im Laufe langer Jahre krimineller Herrschaft abgelagert hatte."

Leoluca Orlando ist übrigens 2012 wieder zum Bürgermeister Palermos gewählt worden - mit über 70% der Stimmen! Heute muss er allerdings nicht die Hinterlassenschaften der Mafia wegräumen, sondern diejenigen seines berlusconi-treuen Vorgängers Diego Cammarata. Dieser hatte Palermo derart heruntergewirtschaftet, daß die Stadt zuletzt kommissarisch geleitet werden musste.

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Literaturtipps

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Heutzutage können sich glücklicherweise nicht nur privilegiert Nordeuropäer wie einst Goethe eine Reise nach Sizilien erlauben. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl von Literatur: Reiseführern aber auch einige Reiseberichte, Romane und natürlich Sachbücher - vor allen Dingen zum Thema "Mafia". Wir stellen hier einige besonders interessante Titel vor.

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