Die Sehenswürdigkeiten von Santa Flavia

Santa Flavia - Blick auf den Hafen Porticello

Santa Flavia ist nicht nur ein hervorragendes "Basis-Lager" zur Erkundung von Sizilien. Die Stadt und ihre nähere Umgebung sind wie ein Spiegel der gesamten Insel und es gibt viel zu entdecken. Warum also in die Ferne schweifen? Hier nur drei Beispiele:

  • Nur hier in Santa Flavia finden Sie eine antike Stadt, deren Grundstruktur vollständig erhalten ist.
  • Ausspannen können Sie in einem großen, ehemals aristokratischen Garten - Eintritt frei.
  • Ein Open Air-Kino bietet "Cinema Paradiso" unterm Sternenhimmel - eine Seltenheit in ganz Sizilien.

Viele der Informationen dieser Seite haben wir von Freuden aus Santa Flavia bekommen. In ihren Erzählungen und Bücherschränken fanden wir Schätze, die es in keiner Buchhandlung oder Bibliothek gibt. Grazie mille!

Inhalt

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Villa Filangeri - Der Sitz der Leoparden

Santa Flavia - Villa Filangeri

Sind Sie auch ein Fan sizilianischer Film-Klassiker? Dann werden Sie sich beim Anblick der Villa Filangeri (brauner Marker 2 im Stadtplan) vielleicht fragen, ob hier "Der Pate" oder "Der Leopard" gedreht wurde.

Wir müssen Sie enttäuschen - gedreht wurde hier unseres Wissens noch gar kein Film. Passen würde aber tatsächlich Der Leopard. Er zeigt fulminant den Anfang vom Ende des sizilianischen Hochadels, ausgelöst durch die Gründung des italienischen Nationalstaates.

Dem sizilianischen Hochadel gehörten die Filangeri schon seit dem Mittelalter an. Damals war Sizilien Eigentum des Papstes und von ca. 1300 bis 1860 des spanischen Königs. Von ihnen bekam der Hochadel Teile des Landes als Lehen. Das Lehen Santa Flavia ging im 17. Jahrhundert an die Familie Filangeri.

Sie bauten daraufhin die gleichnamige Villa und rechts von ihr eine kleine Kapelle. Aus dieser Kapelle wurde die heutige Basilica Soluntina di Sant'Anna, die zentrale Kirche von Santa Flavia. Hinter ihrer Villa legten die Filangeri einen riesigen mediterranen Garten an. So ließ es sich prächtig leben.

Und dann kam 1860: Italienische Patrioten vertrieben die Spanier und machten Sizilien zu einer der ersten Regionen des neuen Staates Italien. Die Spanier nannten diese Leute natürlich Terroristen. Der Hochadel dagegen arrangierte sich. Er konnte trotzdem nicht verhindern, daß sich ganz langsam bürgerliche und sogar demokratische Strukturen bildeten.

Diese Strukturen sind - trotz heftiger Rückschläge durch den Faschismus und die Mafia - heute dominant. So wundert es also nicht, das die Villa Filangeri mittlerweile der Stadt Santa Flavia gehört und ein frei gewählter Bürgermeister in ihr residiert.

Was aus den Filangeri geworden ist? Al Stefanelli, ein amerikanischer Autor und Bürgerrechtler und gleichzeitig Nachfahre der Filangeri hat sich das auch gefragt und hier alles zusammengetragen, was er zu den Wurzeln seiner Familie finden konnte. Die aktivste sizilianische Nachfahrin ist die Künstlerin Beatrice Feo Filangeri (präsent auf Twitter und Facebook ). Dieses Video gibt einen schönen Überblick über ihre Pop Art und Barock verbindende Arbeit:

The Pop Barocco : Beatrice Feo Filangeri, artist

Der Garten der Filangeri

Der Garten der Filangeri

The Lion sleeps tonight...
Zu einer echten sizilianischen Villa gehört ein großer Garten und auch in Santa Flavia haben sich die Adligen grüne Oasen anlegen lassen (brauner Marker 1 im Stadtplan). Das Rezept für einen echten mediterranen Garten: erfrischende Wasserspiele, göttliche Statuen, Palmen und natürlich viel Blühendes.

Aber der Familie Fillangeri war das nicht genug, ihr stand der Sinn nach etwas Exotischem. Und so wurde der Garten hinter dem heutigen Rathaus die Heimat eines Löwen und mehrerer Affen.

Ältere Leute erinnern sich noch in ihrer Kindheit den Löwen gesehen zu haben, da war dieser schon sehr alt und müde. Heute leben immer noch Tiere im Garten, aber wesentlich ungefährlichere wie Gänse, Enten und Hühner. Es lohnt sich den Garten als Ruheort zu entdecken, sich auf eine Bank zu setzen, dem Brunnen zu lauschen und durch die Baumkronen in den Himmel zu blinzeln.

Zu den Öffnungszeiten des Rathauses kann man den Garten wochentags zwischen 9:00 und 16:00 kostenlos besuchen. Gehen Sie einfach durch den Torbogen an der linken Seite der Villa Filangeri.

Die Basilika - Eine Kirche mit Anschluss

Basilica Soluntina di Sant'Anna - Die zentrale Kirche von Santa Flavia

Die Filangeri gönnten sich nicht nur einen riesigen Garten, sondern auch eine eigene Kirche (brauner Marker 3 im Stadtplan). Zu Beginn war es nur eine kleine Kapelle rechts neben der Villa, die dann aber nach und nach zu einer Basilika ausgebaut wurde. Unter den Altar baute man eine Krypta und verband sie durch einen Tunnel mit dem Garten.

So konnten sich die Herrscher von Santa Flavia natürlich hervorragend in Szene setzen - man musste nicht, wie das gemeine Volk, durch den Haupteingang gehen, sondern man tauchte geheimnisvollerweise auf.

Heute würde die Show natürlich mit einem müden Lächeln quittiert. Aber in früheren Zeiten kam der normale Bürger von Santa Flavia aus armseligen, dunklen Hütten in eine im Vergleich dazu riesige, prunkvolle Kirche. Die fast immer scheinende sizilianische Sonne wurde durch bunte Glasscheiben in farbiges Licht verwandelt. Weihrauchschwaden und das lateinisches Gemurmel erzeugten zusätzlich eine Atmosphäre "von etwas Höherem".

Die feudalistische Allianz von Aristokratie und Kirche wurde nicht erst durch Martin Luther kritisiert. Tatsächlich gibt es Hinweise auf eine lokale "Widerstands-Bewegung" - die Beati Paoli.

Die Villen von Santa Flavia

Die Villa Basile

Eigentlich gilt ja die Nachbarstadt Bagheria als "Stadt der Villen". Dort hatten sich ab dem 17. Jahrhundert reiche Adelige aus Palermo riesige Sommersitze gebaut.

Irgendwann im 19. Jahrhundert kam dann die Bahn nach Santa Flavia. Und auch wenn die in Sizilien noch nie besonders schnell war - schneller als Pferd und Wagen war sie allemal.

Eine zweite Welle reicher Palermitaner kam also mit der Bahn. So verwundert es nicht, daß sich in der Nähe des Bahnhofs (blauer Marker 1 im Stadtplan) überraschend viele Jugendstil-Villen befinden.

Die bekannteste steht direkt am Bahnübergang - das Villino Basile (brauner Marker 10; siehe Bild). Der Bauherr - Ernesto Basile - war einer der berühmtesten Architekten Siziliens. Sein bekanntestes Werk in Sizilien ist das Teatro Massimo in Palermo. Italienweit wurde Ernesto Basile durch die Gestaltung der Nordfassade des Parlamentsgebäudes in Rom bekannt.

Weitere aristokratische Bauwerke finden Sie in der Nähe der Villa Filangeri und der Nekropole (brauner Marker 7 im Stadtplan). Einige von ihnen sind in etwa so alt wie die Villa Filangeri, die meisten allerdings wurden stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie können zwar keine dieser Villen besichtigen aber das Äussere ist schon beeindruckend genug.

Beati Paoli - Beschützer oder Kriminelle?

Tunnel unter einem Gebäude in Santa Flavia

Wer sich in den Boden von Santa Flavia wühlt - z.B. um Baugrund zu erschließen - stößt nicht selten auf das, was rechts im Bild zu sehen ist - einen alten Tunnel.

Was im bunt beleuchteten Bild nicht sofort auffällt: dieser Tunnel führte nicht nur nach rechts, sondern auch geradeaus. Den Fotografen hinderte allerdings eine Mauer am Fortkommen. Die Eigentümer des über dem Tunnel stehenden Hauses erzählten ihm, daß sie die Carabinieri in den 90er Jahren darum gebeten hätten.

Nein, hier ging es nicht um technische oder baurechtliche Fragen, sondern um die Mafia. Die war nämlich mittlerweile derart unter Druck geraten, daß sie auf unterirdische Fluchtwege zurückgreifen musste. In gewisser Weise ging sie damit zurück zu ihren Wurzeln - jedenfalls stellt sie es gerne so dar.

Aber beginnen wir von vorne: Tatsächlich ist er gesamte Untergrund von Palermo und Umgebung durchlöchert wie ein schweizer Käse, Es begann schon in der Antike mit Nekropolen, wie z.B. der in Santa Flavia (brauner Marker 7 im Stadtplan). Im Mittelalter bauten die Araber kilometerlange Bewässerungs-Tunnel - die berühmten Qanat.

Und genau hier beginnt die Robin Hood-Geschichte Siziliens. Glaubt man ihr, waren die Tunnel der Rückzugsort von "Rittern", die sich Beati Paoli nannten und gegen Feudalismus und Inquisition kämpften. Das Video unten spielt eine typische Aktion der Beati Paoli nach: Kapuzenmänner in schwarzen Umhängen richten über einen gefangenen Adeligen.

Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, daß die Beati Paoli existierten. Eines ist aber mit Sicherheit eine geschmacklose Geschichtsverdrehung: die (Selbst)-Darstellung der sizilianischen Mafia als Nachfolger der Beati Paoli. Das hätten die "Ehrenmänner" wohl gerne!

Beati Paoli

Neptun weist den Weg zum Meer

Der Neptun-Brunnen

Jeder Spaziergang zum Meer führt Sie unweigerlich zum Bahnübergang von Santa Flavia. Und genau an dieser Stelle bekommen Sie einen Gruß des alten römischen Meeresgottes Neptun mit auf den Weg (brauner Marker 9 im Stadtplan).

Na gut - es ist eher eine Neu-Interpretation des ursprünglichen Meeresgottes. Der zeichnet sich eigentlich durch sein wildes Haar, einen Vollbart und einen Dreizack aus.

Geschaffen hat unseren Neptun ein gewisser Tommaso Piscitelli (1877-1956). Er stammt aus Giovinazzo, einer kleinen Stadt in Apulien.

Es ist also kein Zufall, daß man Kopien unseres Brunnens in anderen apulischen Städten findet. Eine von ihnen ist Bari, wo man ihn "Brunnen des Fischers" nennt. In den 30er Jahren war der Präfekt von Bari ein gewisser Ernesto Perez. Perez kam nicht nur aus Palermo, er wurde auch Präfekt der Stadt. Wohnen tat er allerdings in Santa Flavia - genau gegenüber "seines" Neptuns.

In Santa Flavia wacht Neptun aber nicht nur über das Meer, sondern auch einen kleinen Park. Dieser führte früher zum Wartesaal des Bahnhofs von Santa Flavia. Mit dessen Neubau verschwand auch der alte Wartesaal. Heute kümmeren sich engagierte Bürger Santa Flavias um Park und Brunnen.

Das Waisenhaus des Rebellen

Das ehemalige Waisenhaus Giuseppe Pezzillo

Opera Pia - so nennt man seit dem Mittelalter in Italien eine wohltätige Stiftung - zur damaligen Zeit natürlich religiös basiert. Bis 1860 mit der Gründung des Nationalstaates Italien der "Wind of Change" zu wehen begann.

Mit ihm wurde der Aktionsradius einer opera pia auf Bildung und Erziehung erweitert. Und das war gerade in Sizilien auch bitter nötig: Die Analphabetismus-Quote betrug hier erschreckende 90%.

Ein weiteres, besonders in Süditalien verbreitetes Problem waren die vielen ausgesetzten Kinder. Treffen Sie hier heute auf den Nachnamen "Esposito", haben Sie es mit dem Nachfahren eines solchen Kindes zu tun. Es leitet sich vom Lateinischen "expositus" ab und bedeutet "ausgesetzt", "preisgegeben" aber auch "jedermann zur Benutzung überlassen"!

Letzteres ist leider kein Zufall: In der Antike wurden Waisen tatsächlich häufig versklavt. Für das neu enstehende Italien des 19. Jahrhunderts galt das glücklicherweise nicht mehr und so entstand in Santa Flavia das Waisenhaus mit dem offiziellen Titel "Opera Pia Orfanotrofio Giuseppe Pezzillo" (brauner Marker 5 im Stadtplan).

Was "Opera Pia" bedeutet, haben wir ja schon gesehen. "Orfanotrofio" ist ein Waisenhaus und "Giuseppe Pezzillo" ein Freiheitskämpfer - jedenfalls für Verfechter des Nationalstaates Italien. Für die Bourbonen war er ein Terrorist, der sich 1848 in Neapel gegen ihre Herrschaft über Süditalien auflehnte.

Giuseppe Pezzillo überlebte den von ihm angezettelten Aufstand nicht, sein Name in Santa Flavia aber schon.

Sizilianisches Marionettentheater - Weltkulturerbe in Santa Flavia

Santa Flavia - Puppentheater

Lautes Schwertgeklapper, sizilianische Ausrufe und ein begeistert mitgehendes Publikum.

Wenn die kunstvoll gefertigten, bis zu 150cm hohen Marionetten auf der Bühne stehen und die mittelalterlichen Geschichten von Karl dem Großen, seinen Paladinen und dem Kampf gegen die Sarazenen zum Besten geben, ist man nicht nur gut unterhalten, sondern erlebt auch eine tiefverwurzelte sizilianische Tradition.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Marionettentheater echte Strassenfeger für Alt und Jung. Die aufgeführten Geschichten wie die vom "Rasenden Roland - Orlando furioso" waren am nächsten Tag das Gesprächsthema in den Dörfern und Vierteln.

2008 wurde diese Kunstform in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In Santa Flavia gibt es ein kleines "Teatro dei pupi", (brauner Marker 4 im Stadtplan). in dem man ganz nah dran sitzt und die "pupari" (Puppenspieler) nach der Aufführung gerne einen Blick hinter die Bühne gewähren.

Cinema Paradiso unterm Sternenhimmel

Cinema Paradiso unterm Sternenhimmel

Musik ist zu hören, lautes Lachen und gespanntes Luftholen - wer an einem lauen Abend am Freiluft-Kino Arena Paradiso vorbeigeht (brauner Marker 11 im Stadtplan), kann die besondere Atmosphäre spüren, die vom "Kino unterm Sternenzelt" ausgeht.

Manche erinnern sich vielleicht noch an den oskarprämierten Film Cinema Paradiso des Regisseurs Giuseppe Tornatore. Der Film wurde hier in der Gegend gedreht und die Geburtsstadt Tornatores - Bagheria - liegt gleich nebenan. Drehorte waren unter anderem Palazzo Adriano in der Provinz Palermo, Cefalù, Bagheria, Termini Imerese - und Santa Flavia!

Man befindet sich hier also auf echtem cineastischem Grund und kann sich mit Hilfe dieser Fotos auf Spurensuche begeben.

Tornatore hat weitere Filme auf Sizilien gedreht, unter anderem das großartige Epos "Baarìa" (der sizilianische Name seiner Heimatstadt Bagheria). Der "Sizilien verstehen"-Artikel Baarìa - Eine Reise zu den Wurzeln führt euch zu den Schauplätzen.

Wundern Sie sich übrigens nicht über Limousinen mit Blaulicht vor dem Kino und den einen oder andern "auffällig unauffälligen" Herren. Es sind die Personenschützer des wohl bekanntesten Kino-Enthusiasten von Santa Flavia - dem Mafia-Jäger Nino Di Matteo. Warum der trotz aller Erfolge im Kampf gegen die Mafia noch Personenschützer braucht? Er widmet sich einen der großen, noch "unerledigten" italienischen Themen - dem Zusammenspiel von Mafia und Politik. So macht man sich natürlich keine Freunde.

Francesco Paolo Perez - Ein Königreich für Sizilien

Schriftsteller Francesco Paolo Perez

1848 - das Jahr der Revolutionen. Die Schweiz wird Bundesstaat, in Wien kommt es zum Oktoberaufstand und in Frankfurt tagt das erste deutsche Parlament. Und wo wurde der Funke gezündet? Genau - in Palermo! Hier beginnt am 12. Jan. 1848 ein Aufstand gegen die Bourbonen.

Der Aufstand von Palermo entwickelt sich zur "Sizilianischen Revolution von 1848" und der Proklamation eines neuen Königreichs Sizilien. Man dachte hier allerdings an eine parlamentarische Monarchie - so also, wie wir es heute in Europa als "normal" empfinden.

Zu den Protagonisten der Revolution gehörte ein Schriftsteller aus Palermo: Francesco Paolo Perez. Er war glühender Verfechter eines autonomen Siziliens und gehörte gleich zu Beginn der Revolution zu den Köpfen einer verfassungsgebenden Versammlung.

Mit ungeheurem Schwung tagte schon im März ein sizilianisches Parlament und proklamierte das neue Königreich Sizilien. Aber dummerweise wollte niemand den Job als König übernehmen. Und überhaupt passte mehr als einem der Revolutionäre die ganze Richtung nicht - sie wollten eine Republik Sizilien.

So kam es, wie es kommen musste: Nur ein Jahr nach Beginn der Revolution eroberten die Bourbonen Sizilien zurück. Pikanterweise wurden die bourbonischen Truppen durch einen General namens Carlo Filangieri befehligt - einem Spross des napolitanischen Zweigs der Filangeri.

Das heutige Santa Flavia ehrt Francesco Paolo Perez mit einer Statue vor dem Bahnhof (brauner Marker 8 im Stadtplan). Engagierte Bürger kümmern sich um die Pflege des Denkmals.

Padre Pio - Heiliger oder Scharlatan?

Padre Pio Denkmal

Der Kapuzinermönch Padre Pio (1887 - 1968) ist Kult in Süditalien und wird auch in Santa Flavia verehrt: Sein Bild hängt in Autos, Geschäften und über Ehebetten. Eine bunt beleuchtete Statue dieses christlichen "Popstars" steht an der Via Consolare (brauner Marker 6 im Stadtplan) und ist gern genutzter Treffpunkt der Dorfjugend.

Padre Pio fiel seit frühester Kindheit durch seine Frömmigkeit auf, wurde mit 16 Jahren Kapuzinermönch und litt schon in jungen Jahren unter zahlreichen Krankheiten, was seine Glaubensfestigkeit nur noch stärkte. Als er nach einer Gebetssession auch noch blutende Wundmale aufwies, gab es für die Gläubigen kein Halten mehr und er wurde verehrt wie ein Heiliger.

In seinen Messen erlebte man ihn "der Wirklichkeit entrückt" - nicht nur Nichtgläubige fragten sich, ob Drogen oder Wahnsinn im Spiel sei. Auch Papst Johannes XXIII war ein erklärter Gegner des "seltsamen Mönches mit dem stechenden Blick und der Leidensmimik".

Man munkelt, dass Padre Pio sich die Stigmata mit Hilfe von ätzender Karbolsäure selber beigebracht habe. Aber was sollen rationale Erklärungen bewirken, wenn es um Religion geht und somit kann man - je nach eigenem Standpunkt - staunend oder bewegt den vielen Prozessionen zuschauen, die in jedem sizilianischen Dorf gefeiert werden.

In Santa Flavia ist es das "Festa della patrona Sant'Anna", das Ende Juli mit prächtigem Lichtschmuck, Musik und Feuerwerk gefeiert wird. Spektakulär ist die Bootsprozession beim "Festa della Madonna del Lume" in Porticello, das Anfang Oktober stattfindet:

Porticello - Der Hafen von Santa Flavia

Santa Flavia - Anleger im Hafen von Porticello

Porticello ist ein Ortsteil von Santa Flavia. So jedenfalls sieht es organisatorisch aus. Die Bürger von Porticello sehen das allerdings anders. Schließlich gab es Porticello lange vor den Filangeri.

Damals kamen Bewohner des heissen Landesinneren zum Fischen hierher. Hier gab es einen natürlichen Hafen und Tuffstein-Höhlen, in denen man wohnen konnte. Der Name Porticello stammt aus dieser Zeit: Er bedeutet "kleiner Hafen".

Nach und nach entschieden sich mehr und mehr Fischer zu bleiben. Die Höhlen wurden zu Häusern und aus dem kleinen Naturhafen ist der zweitgrößte Fischereihafen Siziliens geworden. Es wundert also nicht, daß der Hafen (Marker 12 im Stadtplan) Lebensmittelpunkt Porticellos ist.

Und so wundert es auch nicht, daß die Schutzheilige Porticellos (Santa Maria del Lume) vor allen Dingen die Schutzheilige der Fischer ist. Ältere Einwohner erzählen Besuchern gerne die Geschichten wundersamer Rettungen aus Seenot. Weniger religiösen Zuhörern erscheint das vielleicht als Seemannsgarn, tatsächlich ist es den Erzählern aber sehr ernst. Vergessen wir nicht, daß die Fischerei bis heute einer der gefährlichsten Berufe ist.

Es wundert daher auch nicht, mich welcher Inbrunst der Tag der Schutzheiligen gefeiert wird. Die Prozession beginnt in der Kirche (brauner Marker 13 im Stadtplan) und führt über das Meer zu einer kleinen Kapelle auf dem Capo Zafferano. Von dort geht es dann zurück in die Kirche:

PORTICELLO 2014

Borgo di Santa Nicolicchia - Bucht mit Blick

Borgo di Santa Nicolicchia

Beweise gibt es zwar nicht aber im Borgo di Santa Nicolicchia könnte der Ursprung Porticellos liegen. Der Stadtplan (brauner Marker 14) und das Bild rechts zeigen wieso: Der Borgo di Santa Nicolicchia ist ein perfekter Naturhafen.

Und tatsächlich stand auf der Mole schon im 15. Jahrhundert eine (heute nicht mehr existierende) Kapelle. Sie war dem Heiligen Nikolaus gewidmet - woher sich also auch der Name unseres Naturhafens ableitet.

Der Sage nach, haben hier eines Tages Fischer das Gemälde der Santa Maria del Lume in ihrem Netz gefunden. Sie stellten es in der Kapelle auf und erklärten sie zur Schutzheiligen des Meeres und der Stadt.

Heute ist der Borgo di Santa Nicolicchia ein kleiner Hafen für Sportboote und ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Ausserdem locken ein bekanntes Fisch-Restaurant (roter Marker 22 im Stadtplan), eine Pizzeria (roter Marker 23 im Stadtplan) und vor allen Dingen ein malerischer Blick.

Sant'Elia hat Geheimnisse...

Sant'Elia

Sant'Elia ist der faszinierendste Ortsteil von Santa Flavia, er liegt direkt am Meer und alleine das ist natürlich schon einen Blick wert. Aber man sollte etwas genauer hinschauen, denn eines der Geheimnisse ist ein wenig verborgen, öffnet sich dann aber dem staunenden Betrachter in voller Schönheit - eine felsige Bucht mitten im Ort, umgeben von alten Häusern und Balkonen, die über dem Meer schweben.

An einem kleinen Strand (gelber Marker 3 im Stadtplan) liegen orange-blau gestrichene Fischerboote und in der Mitte der Bucht kann man über eine Treppe ins Wasser steigen. Ein Kreuz auf dem Felsen am Ende des Meeresarmes ist ein bei den Sizilianern beliebter Platz um Heiratsanträge zu machen.

Ein weiteres Geheimnis liegt hinter den Wänden eines alten Hauses verborgen, das fast mitten im Meer steht - das "Casa Bianca" (Weißes Haus) am Ende des Dorfstrandes. Ein Sehnsuchtsort, der sicherlich viele Male am Tag erzählt bekommt, wie gerne man dort leben würde - mit den Füßen im Meer und dem Kopf in den Wolken.

Aber das Haus birgt dunkle Familiengeheimnisse, zumindest wenn man der Autorin Stefanie Gerstenberger glauben möchte. In ihrem Roman "Das Limonenhaus" weht der Duft von Zitronen durch die Räume aber es lastet auch ein Geheimnis darauf, das auf einer alten sizilianischen Tradition beruht, die hier natürlich nicht weiter verraten wird...

Capo Zafferano - Napoleons Hut

Capo Zafferano

Leuchttürme faszinieren - sie stehen an sturmumtosten Küsten, werfen ihr Licht in die Nacht und sind Hoffnungsschimmer für Seeleute auf der Suche nach dem schützenden Hafen.

Der achteckige Leuchtturm des Capo Zafferano (brauner Marker 16 im Stadtplan) steht an einem der schönsten Küstenabschnitte Nordwestsiziliens - das Kap zieht sich weithin sichtbar ins Meer hinein und begrenzt den Golf von Palermo.

Der Weg zum Leuchtfeuer schlängelt sich direkt am Meer entlang, bestens geeignet für einen Spaziergang oder einen Ausflug mit dem Fahrrad. Die aufragenden Felswände des Capo Zafferano sind mit mediterranen Pflanzen bewachsen und botanisch Interessierte können hier eine seltene Flora bewundern wie den Meerfenchel und eine nur auf Sizilien vorkommende Strandfliederart.

Auf dem Weg wird man von Möwen begleitet, die ihre Nester am Kap und vor allem auf dem kleinen vorgelagerten Felsen "Lo Scarpone" bauen, so genannt wegen seiner Form, die an einen großen Schuh erinnert. Das Capo Zafferano trägt den Spitznamen "Il Capello di Napoleone" - Napoleons Hut, was man jedoch nur vom Meer aus sieht.

Kurz vor dem Leuchtturm gelangt man über eine Treppe zu einer kleinen Kapelle, von der aus man die Küstenlinie bis Cefalu überblicken kann. Ein wunderschöner Ausflug, auf dem man die Weite und die Geräusche des Meeres genießen kann.

Monte Catalfano - Wandern mit Meerblick

Monte Catalfano

Direkt am Meer, vor den Toren Santa Flavias erhebt sich der rund 370m hohe Monte Catalfano (brauner Marker 17 im Stadtplan).

Auf gut befestigten Wegen kann man eine leichte Wanderung unternehmen, die mit einem grandiosen Blick auf das Capo Zafferano und den Golf von Palermo belohnt wird.

Schattenspendender Wald, mediterrane Macchia und seltene Orchideen säumen die entspannend stillen Pfade. Das Gelände wird von zahlreichen Höhlen und Grotten durchzogen, von denen einige gut zu erreichen sind.

Der Monte Catalfano ist nach wie vor nur wenig bekannt: Sie haben das Naturschutzgebiet also selbst in der Hochsaison fast für sich alleine. Eine detaillierte Karte und zwei Wandervorschläge finden Sie hier.

Solunto - Santa Flavia in der Antike

Solunto

Santa Flavia ist nicht erst seit heute ein beliebter Wohnort. Schon in der Antike gab es hier mehrere Ansiedlungen.

Dankenswerterweise haben die Archäologen die bedeutenste Ausgrabungsstätte für Sizilien-Urlauber geöffnet. Sie heisst Solunto und befindet sich im Stadtplan beim braunen Marker 15.

Für Archäologen ist Solunto eine der interessantesten antiken Orte auf Sizilien - schlicht weil er solange völlig vergessen war. Die letzten Münzfunde stammen aus dem 3. Jh, die ersten Ausgrabungen aus dem 19. Jh. In der Zeit dazwischen verfiel Solunto in einen regelrechten Dornröschenschlaf.

Für Archäologen ist das perfekt, da so die Grundstruktur des Ortes komplett erhalten ist. Für Sizilien-Urlauber beschreiben Solunto eher als "Antike mit atemberaubendem Blick". Auf dieser Seite finden Sie eine detaillierte Karte von Solunto.

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